Taschenuhr 585 Gold – Gehäuseaufbau, Materialfragen und Herstellungszeitraum

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Entdecker595
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Taschenuhr 585 Gold – Gehäuseaufbau, Materialfragen und Herstellungszeitraum

Beitrag von Entdecker595 »

Hallo zusammen,

ich möchte euch gerne eine ältere goldene Taschenuhr (585) vorstellen und hoffe auf eure fachliche Unterstützung bei einigen Fragen zum Gehäuseaufbau, zur Materialität sowie zur zeitlichen Einordnung der Uhr.

Mir geht es ausdrücklich nicht um eine Verkaufs- oder Preisbewertung, sondern um eine sachliche Einschätzung der verbauten Materialien und des technischen bzw. historischen Kontexts.

Kurzinfos zur Uhr:

Typ: Taschenuhr

Gehäuse: 585 Gold (Punzen siehe Bilder)

Durchmesser: 50 mm

Gesamtgewicht der Uhr (inkl. Werk): 82 g

Mechanisches Werk. läuft und tickt sehr schön

Meine Fragen im Detail:

Deckel (Vorder- und Rückdeckel):
Sind diese bei vergleichbaren 585-Gold-Taschenuhren in der Regel massiv aus Gold gefertigt?
Gibt es typische Materialstärken oder konstruktive Merkmale, an denen man das erkennen kann?

Staubdeckel / Innendeckel:
Wie häufig ist dieser Teil bei solchen Uhren tatsächlich aus Gold, und wie oft eher aus vergoldetem Messing oder einem anderen Grundmaterial?
Welche Merkmale (Punzen, Farbe, Stärke, Abrieb) gelten hier als verlässliche Hinweise?

Mittelteil / Gehäusering:
Gehören Gehäusering, Bandanstöße und Aufzugs-Tubus üblicherweise vollständig zum Goldgehäuse?
Wird dieser Teil konstruktiv ebenfalls massiv ausgeführt oder gibt es hier bekannte Unterschiede je nach Epoche oder Hersteller?

Materialgewicht / Goldanteil:
Lässt sich aus eurer Erfahrung – anhand von Bauart, Größe und Bildern – eine grobe Einschätzung des Materialanteils des Gehäuses vornehmen (ohne Werk, Glas, Schrauben etc.)?

Herstellungszeitraum / Datierung:
Gibt es anhand von Punzen, Gehäuseform, Scharnieren, Werkbauart oder sonstigen Details Hinweise auf den ungefähren Herstellungszeitraum der Uhr (z. B. spätes 19. Jh., frühes 20. Jh.)?
Falls möglich, würde mich auch interessieren, ob sich eher eine deutsche, schweizerische oder andere Herkunft vermuten lässt.

Ich lade gleich mehrere Bilder hoch (Uhr geschlossen, geöffnet, Deckel innen/außen, Punzen), damit eine fundierte Einschätzung möglich ist.

Vielen Dank vorab für eure Zeit und den fachlichen Austausch!
Ich freue mich über jede sachliche Einschätzung oder Erfahrungswerte aus vergleichbaren Uhren.

Viele Grüße
Marius
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JLC
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Re: Taschenuhr 585 Gold – Gehäuseaufbau, Materialfragen und Herstellungszeitraum

Beitrag von JLC »

Meinen Glückwunsch zur schönen goldenen Taschenuhr.
Deckel und Gehäuse. Sind beide mit Punzen gestempelt, dann ist es auch 585er Gold.
Die Materialstärke war u.a. vom Hersteller abhängig.
Eine A.Lange&Söhne aus Gold war oft schwerer als eine von Dugena, weil die A.Lange&Söhne Uhren teurer ge- und verbaut wurden. Dementsprechend war das Material stärker.
Innen - und Außendeckel, Tubus und Gehäusering gehören zum Gehäuse.
Zum Alter der Uhr, das kannst Du anhand der Funzen selbst herausfinden. Das Internet ist voll von Datenbanken.
Ein Blick auf das Werk wäre gut, denn so kann man den Werkehersteller ggf erkennen, und so auch das Herstellungsjahr, denn auch hier gibt es unzählige Datenbanken.
Auch der Hersteller der Uhr ist wichtig. Auch hier gibt es Infos darüber wann der Hersteller gegründet wurde und wie lange der Hersteller überlebt hat, oder ggf aufgekauft wurde und von wem.
Viele Grüße

JLC
Bernd
Entdecker595
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Re: Taschenuhr 585 Gold – Gehäuseaufbau, Materialfragen und Herstellungszeitraum

Beitrag von Entdecker595 »

Hallo Bernd, hallo zusammen,

kurze Ergänzung zu meinen vorherigen Angaben:

Ein Werkfoto kann ich aktuell leider nicht beisteuern, da ich die Uhr vorerst nicht weiter öffnen möchte. Ich hoffe, das ist nachvollziehbar.

Als Hersteller ist Leonidas auf dem Zifferblatt genannt.
Falls jemand dazu etwas sagen kann, würde mich interessieren, ob diese Ausführung (Gehäuse, Deckel, Staubdeckel) typisch für Leonidas-Taschenuhren ist, und ob sich aus Hersteller, Gehäuseform und Punzen eine grobe zeitliche Einordnung ableiten lässt – auch ohne Werkfoto.

Zum Staubdeckel: Dieser trägt keine Punzen, weist jedoch ornamentale Verzierungen auf. Entsprechende Fotos habe ich nun ergänzt.
Mich würde eure Einschätzung interessieren, ob ein ungepunzter, aber ornamental verzierter Staubdeckel bei Leonidas-Taschenuhren eher üblich war oder ob dies in der Regel auf ein nicht goldenes Grundmaterial hindeutet.

Vielen Dank nochmals für eure Unterstützung.

Viele Grüße
Marius
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JLC
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Re: Taschenuhr 585 Gold – Gehäuseaufbau, Materialfragen und Herstellungszeitraum

Beitrag von JLC »

Hallo Marius,

Ferdinand Bourquin / Leonidas Watch Co. Uhren, Uhrenteile; St.-Imier, Schweiz; registriert am 21.10.1902
1912 wird Leonidas von Constant Jeanneret-Droz, einem der drei Söhne des Excelsior Park Gründers Jules-Frédéric Jeanneret, gekauft.
1964 fusionieren die Firmen Leonidas Watch Factory und Ed. Heuer.
Nachdem Heuer zu TAG Heuer wurde, verschwand der Name Leonidas und geriet in Vergessenheit.

Die Kleine Helvetia ist eine seit dem 17. Mai 1881 verwendete kleine Garantiepunze in kleinen Goldartikeln Schweizer Herkunft.
Der kleine Buchstabe gibt die Ortschaft der Punzierung an:
+ = Bern, B = Biel, C = La Chaux-de-Fonds, D = Délémont, F = Fleurier, G = Genf, g = Grenchen, L = Le Locle, N = Neuenburg, n = Le Noirmont, P = Porrentruy, I = Saint Imier, S = Schaffhausen, T = Tramelan.

Die 56 ist gleich 56 Zolotnik = Gold 585
Gut möglich also das die Uhr für den Export bestimmt war.

Der Hammer mit Griffmarke wurde erstmals am 27. März 1926 registriert.
Leider kann ich die Zahl nicht richtig erkennen. 16 ? irgendwas....
Die 160 hat 1934 Marc Erard registrieren lassen.
Ein Uhrengehäuse mit einer „Hammer mit Griff“-Zeichen, das weder 115 noch 160 hat, muss zwischen 1926 und 1934 gemacht worden sein.
Demzufolge müsste Deine Uhr am Ende des Jahres 1934 oder etwas später hergestellt wurden sein.
Viele Grüße

JLC
Bernd
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